Ein Tracheostoma ist ein operativ angelegter Zugang über die vordere Halswand zur Luftröhre. Es ermöglicht Atmung bei dauerhafter Beatmungspflicht, schwerer Schluckstörung oder Tumor-Operation. Die Pflege zuhause stellt höchste Anforderungen an Hygiene und Fachkompetenz. Hier finden Sie eine konkrete Anleitung, typische Komplikationen und die Abrechnungswege 2026.
Was ist ein Tracheostoma?
Das Wort beschreibt eine Öffnung (Stoma) zur Luftröhre (Trachea). Es gibt verschiedene Formen:
- Tracheotomie (chirurgisch): Klassische OP, der Hals wird eröffnet, eine Kanüle eingelegt
- Punktionstracheotomie: Minimal-invasive Anlage, häufig auf Intensivstation
- Tracheostoma nach Laryngektomie: Nach Kehlkopfentfernung, dauerhaft
Die Trachealkanüle besteht aus Plastik oder Silber, mit oder ohne Cuff (Blockmanschette), mit Innenkanüle und Sprechventil. Die genaue Versorgung legt der HNO-Arzt oder Chirurg fest.
Wer pflegt ein Tracheostoma?
Die Versorgung ist hochsensibel. Fehler führen rasch zu Atemnot, Infektion oder Verletzung. Im Krankenhaus übernehmen Intensivpflegekräfte, zuhause spezialisierte ambulante Pflegedienste.
Was Angehörige selbst können sollten
- Notruf absetzen können bei Atemnot
- Sauerstoffsättigung mit Pulsoxymeter messen
- Sekret oberflächlich absaugen mit häuslichem Absauggerät
- Stomarand auf Auffälligkeiten beobachten
- Sprechventil und Filter wechseln
- Notfallset bereithalten
Was Pflegefachkräfte übernehmen
- Tiefes endotracheales Absaugen
- Trachealkanülenwechsel
- Stomapflege mit aseptischer Technik
- Cuff-Druck-Kontrolle
- Beurteilung von Granulationen, Hautveränderungen, Sekret
- Dokumentation und Kommunikation mit Arzt
Tägliche Pflegeschritte
Standard-Stomapflege (mindestens 1 mal täglich)
- Vorbereitung: Händedesinfektion, Einmalhandschuhe, sterile Kompressen, sterile NaCl-Lösung, Stomakompresse, Wundauflage
- Patient lagern: Aufrechte Position, Kopf leicht überstreckt
- Alte Kompresse entfernen: Vorsichtig abnehmen, Sekret und Verkrustungen beurteilen
- Reinigung: Stomarand mit NaCl-getränkter Kompresse reinigen, von innen nach außen
- Beurteilung: Hautrötung, Granulationsgewebe, Druckstellen, Sekret-Beschaffenheit dokumentieren
- Trocknen: Vorsichtig tupfen, nicht reiben
- Neue Kompresse anlegen: Stomakompresse mit Schlitz unter die Kanüle führen, Halterung wechseln
- Halterung wechseln wenn verschmutzt oder feucht
- Handschuhe entsorgen, Hände desinfizieren
Endotracheales Absaugen (nach Bedarf)
- Händedesinfektion, sterile Handschuhe, sterile Absaugkatheter
- Absauggerät vorbereiten, Sog 80 bis 120 mmHg
- Patient präoxygenieren wenn nötig
- Sterilen Katheter ohne Sog einführen, bis Hustenreiz oder Sekret kommt
- Mit Sog langsam zurückziehen, maximal 10 bis 15 Sekunden
- Sekret in Auffangbehälter, Kontrolle: Farbe, Menge, Konsistenz
- Mit NaCl spülen, neuen Katheter für nächsten Absaugvorgang
- Patient kontrollieren, Sauerstoffsättigung prüfen
Kanülenwechsel (in der Regel alle 7 bis 14 Tage)
Macht die Pflegefachkraft oder der HNO-Arzt. Erstwechsel postoperativ immer durch Arzt. Standardwechsel zuhause durch geschulte Pflegekraft. Notfall-Kanüle (eine Nummer kleiner) und vorbereitete Materialien immer bereithalten.
Typische Komplikationen
| Komplikation | Anzeichen | Sofortmaßnahme |
|---|---|---|
| Atemnot, Kanüle verlegt | Pfeifen, Husten, Sättigung sinkt | Absaugen, bei Misserfolg Kanülenwechsel oder 112 |
| Sekret-Stau | Rasselatmung, vermehrter Husten | Absaugen, inhalieren, ggf. Mukolytika |
| Infektion | Stoma rot, eitrig, Fieber | Hausarzt informieren, Abstrich, ggf. Antibiotikum |
| Granulationsgewebe | Bluttropfen, Hautwuchs am Stomarand | Hausarzt, ggf. Silbernitrat oder OP |
| Druckstelle | Hautrötung, kleine Wunde | Polsterung, Verbandwechsel, Kanülen-Modell prüfen |
| Akzidentielle Dekanülierung | Kanüle herausgerutscht | Notfall-Kanüle einlegen, 112 wenn nicht gelingt |
| Aspiration | Husten beim Essen, Pneumonie | Schluckdiagnostik, Logopädie, ggf. Cuff blocken |
Bei akuter Atemnot 112. Bei länger anhaltender Verschlechterung HNO-Notdienst.
Hilfsmittel und Material
Alle Materialien werden auf Rezept über den Sanitätsfachhandel geliefert. Pro Quartal oder Monat genehmigt die Krankenkasse Pauschalmengen.
Standard-Material
- Trachealkanüle (je nach Modell alle 4 bis 8 Wochen wechseln)
- Innenkanüle, oft mit Sprechventil
- HME-Filter (Wärme-Feuchtigkeits-Tauscher) täglich oder häufiger
- Stomakompressen, Halterungen
- Sterile Absaugkatheter (Einmal-Material)
- NaCl-Spüllösung
- Sterile Handschuhe, Mundschutz
Geräte
- Mobiles Absauggerät (Krankenkasse genehmigt)
- Pulsoxymeter
- Beatmungsbeutel (Ambu-Beutel) für Notfälle
- Luftbefeuchter
- ggf. Heimbeatmungsgerät (NIV, BiPAP)
Kosten und Abrechnung
Die Pflege durch den Pflegedienst läuft als Behandlungspflege nach § 37 SGB V. Verordnung durch HNO-Arzt oder Hausarzt. Krankenkasse übernimmt die Pflegeleistung, abzüglich 10 Prozent Eigenanteil. Mehr im Artikel Behandlungspflege § 37 SGB V.
Bei niedrigem Einkommen oder bei Vorliegen einer schweren chronischen Erkrankung greift die Belastungsgrenze (1 Prozent statt 2 Prozent).
Tracheostoma und Pflegegrad
Tracheostoma-Versorgung ist Krankenkassenleistung, die Pflegekasse zahlt parallel für Grundpflege. Mit dauerhafter Tracheostoma-Versorgung sind Pflegegrad 3 bis 5 üblich.
Mehr zur Pflegegrad-Einstufung im Artikel Pflegegrade 1 bis 5.
Häufige Fragen
Können Angehörige absaugen? +
Oberflächliches Absaugen am Stoma-Rand kann nach Schulung von Angehörigen übernommen werden. Tiefes endotracheales Absaugen sollte Pflegefachkräften vorbehalten bleiben.
Was tun, wenn die Kanüle herausrutscht? +
Notfall-Kanüle (Reservekanüle, eine Nummer kleiner) einlegen. Wenn das nicht gelingt, sofort 112.
Können Tracheostoma-Patienten sprechen? +
Mit Sprechventil häufig ja. Voraussetzung: Cuff entblockt, Stimmlippen intakt. Nach Kehlkopfentfernung (Laryngektomie) ist Sprechen nur über Stimmprothese oder Sprechhilfe möglich.
Können Tracheostoma-Patienten duschen? +
Ja, mit Duschschutz über dem Stoma. Wasser darf nicht direkt in die Kanüle laufen.
Wie oft muss die Kanüle gewechselt werden? +
Abhängig vom Modell und der Verordnung. Typisch alle 7 bis 14 Tage, bei manchen Silberkanülen seltener. Innenkanülen werden täglich gereinigt.
Wer schult Angehörige? +
Kliniken bei der Entlassung, HNO-Praxen mit Schulungsambulanz, ambulante Pflegedienste wie Sebat, Sanitätsfachhandel.
Sebat: Erfahrung mit Tracheostoma in Frankfurt
Wir versorgen seit Jahren Tracheostoma-Patienten in Frankfurt, mit RKI-Standard-Hygiene und enger Abstimmung mit HNO-Praxen und Hausärzten. Bei Bedarf koordinieren wir mit Logopäden, Pneumologen und Wundmanagern.
Stand Juli 2026 · Rechtsgrundlage § 37 SGB V, Häusliche-Krankenpflege-Richtlinie. Bei akuter Atemnot 112. Versorgung erfolgt nach RKI-Empfehlungen und ärztlicher Anordnung.



