Stürze sind die häufigste Unfallursache bei Menschen über 65. Etwa 30 Prozent der Senioren zu Hause stürzen mindestens einmal pro Jahr, bei Hochbetagten über 80 sind es bereits 40 bis 50 Prozent. Viele Stürze sind vermeidbar mit gezielten Maßnahmen in der Wohnung und im Alltag.

Warum Stürze so gefährlich sind

Die Folgen eines Sturzes können den weiteren Lebensweg drastisch verändern:

  • Oberschenkelhalsbruch in 5 bis 10 Prozent der Stürze, oft mit längerem Krankenhausaufenthalt
  • Verlust der Selbstständigkeit, dauerhafte Pflegebedürftigkeit nach Sturz
  • Sturzangst, die zu Bewegungsmangel und damit zu weiteren Stürzen führt
  • Erhöhtes Sterberisiko in den 12 Monaten nach einem schweren Sturz

Die gute Nachricht: Mit überschaubarem Aufwand lassen sich die meisten häuslichen Stürze verhindern.

15 Maßnahmen Raum für Raum

Bad (höchstes Sturzrisiko)

#MaßnahmeWirkung
1Bodengleiche Dusche statt WanneBeseitigt die häufigste Stolperkante
2Haltegriffe bei Toilette und DuscheHilfe beim Aufstehen und Stehen
3Rutschhemmende Matten oder BodenReduziert Ausrutschgefahr
4DuschsitzSicheres Duschen im Sitzen
5Erhöhter ToilettensitzWeniger tiefes Hinsetzen

Schlafzimmer

#MaßnahmeWirkung
6Nachtlicht bei BewegungsmelderSicht beim nächtlichen Toilettengang
7Bett auf richtiger Höhe (45 bis 50 cm)Einfaches Aufstehen ohne tiefes Beugen
8Festes Bettrahmen ohne RollenStabile Stütze beim Aufrichten

Flur und Treppe

#MaßnahmeWirkung
9Lose Teppiche entfernen oder rutschsicher fixierenHäufige Stolperfalle weg
10Treppe mit Handlauf auf beiden SeitenHalt von zwei Seiten
11Stufenkanten markieren mit kontrastierender FarbeBessere Orientierung
12Beleuchtung in Treppenhaus erhöhenKlare Sicht auf Stufen

Wohnzimmer und Küche

#MaßnahmeWirkung
13Kabel verlegen oder befestigenKeine Stolperstellen am Boden
14Häufig genutzte Dinge in Greifhöhe lagernKein Bücken oder Klettern
15Stuhl mit Armlehnen am EsstischHilfe beim Aufstehen

Der 4.000-Euro-Zuschuss der Pflegekasse

Wer mindestens Pflegegrad 1 hat, bekommt von der Pflegekasse bis zu 4.000 Euro pro Maßnahme als wohnumfeldverbessernde Maßnahme nach § 40 Abs. 4 SGB XI. Viele der oben genannten Maßnahmen sind förderfähig:

  • Bodengleiche Dusche statt Wanne
  • Haltegriffe und Stützen
  • Treppenlift
  • Türverbreiterung
  • Schwellenabbau

Komplette Anleitung zum Antrag in unserem Artikel Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen: 4.000-Euro-Zuschuss richtig nutzen.

Bewegung als Sturzprävention

Maßnahmen in der Wohnung helfen, aber den größten Effekt hat regelmäßige Bewegung:

  • Krafttraining für Beine und Rumpf, mindestens 2-mal pro Woche
  • Gleichgewichtsübungen wie Tai Chi, Yoga oder spezielle Senioren-Gymnastik
  • Geh-Sicherheits-Training, oft in Pflegekassen-Kursen kostenfrei
  • Tägliche Spaziergänge von mindestens 20 Minuten

In Frankfurt bieten Sportvereine, Volkshochschule, Krankenkassen und Pflegestützpunkte spezielle Sturzpräventions-Kurse für Senioren.

Hilfsmittel die helfen

  • Rollator: Klassische Gehhilfe, oft schon mit Sitzfunktion. Wird von der Krankenkasse bei medizinischer Notwendigkeit übernommen.
  • Hausnotruf: Wenn doch ein Sturz passiert, ruft der Knopfdruck Hilfe. Pflegekasse zahlt 25,50 Euro Zuschuss monatlich. Details in unserem Hausnotruf-Artikel.
  • Sturzsensor: Moderne Hausnotruf-Geräte erkennen Stürze automatisch.
  • Hüftprotektoren: Spezielle Unterwäsche mit Schaumstoff-Polstern reduziert das Frakturrisiko bei tatsächlichen Stürzen.

Was tun nach einem Sturz?

  1. Ruhe bewahren. Nicht hektisch aufstehen, erst prüfen, ob etwas weh tut.
  2. Bewegung testen. Vorsichtig Arme, Beine, Hüfte bewegen. Bei starkem Schmerz liegen bleiben und Notruf wählen.
  3. Aufstehen lernen. Wenn nichts wehtut: In Bauchlage drehen, mit den Händen abstützen, langsam aufrichten.
  4. Ursache klären. Schwäche? Schwindel? Stolperfalle? Medikamenten-Nebenwirkung? Beim nächsten Arzttermin besprechen.
  5. Dokumentieren. Datum, Ort, mögliche Ursache notieren. Bei Häufung ist die Sturzanamnese beim Arzt entscheidend.

Häufige Fragen

Welche Maßnahme bringt am meisten? +

Der bodengleiche Bad-Umbau hat die größte Wirkung. Etwa 40 Prozent aller Stürze zu Hause passieren im Bad oder beim Toilettengang nachts.

Was kostet ein bodengleicher Duschumbau? +

Je nach Aufwand 5.000 bis 9.000 Euro. Mit dem 4.000-Euro-Zuschuss der Pflegekasse bleibt ein Eigenanteil von 1.000 bis 5.000 Euro.

Brauche ich für Sturzpräventionskurse einen Pflegegrad? +

Nein. Krankenkassen und Volkshochschulen bieten Kurse für alle Senioren. Mit Pflegegrad kommen zusätzliche Optionen wie kostenfreie Pflegekurse nach § 45 SGB XI hinzu.

Wann sollte ich an Sturzprävention denken? +

Spätestens ab dem 65. Lebensjahr, oder nach dem ersten Sturz. Bei Erkrankungen mit erhöhtem Sturzrisiko (Parkinson, Schlaganfall, Demenz) sofort.

Ist ein Treppenlift wirklich nötig? +

Bei dauerhaftem Risiko ja. Treppenlifts kosten 4.000 bis 15.000 Euro, werden von der Pflegekasse mit bis zu 4.000 Euro bezuschusst.

Welche Schuhe sind sicher? +

Geschlossen, mit fester Sohle, ohne hohe Absätze. Hausschuhe sollten Fersenkappe haben, keine offenen Pantoffeln. Im Bad nur rutschhemmende Schuhe.

Wie erkenne ich Sturzgefahr? +

Erste Anzeichen sind häufiges Stolpern, Unsicherheit beim Treppensteigen, plötzlicher Schwindel, Schwäche der Beine. Auch eine Medikamenten-Umstellung kann Sturzrisiko erhöhen.

Bekomme ich Reha nach einem Sturz? +

Ja. Nach Krankenhausentlassung wegen Sturzfolgen wird oft eine Anschluss-Heilbehandlung verordnet.

Sebat unterstützt bei der Sturzprävention

Wir prüfen bei unseren Patienten in Frankfurt das Sturzrisiko und empfehlen konkrete Maßnahmen. Auf Wunsch begleiten wir den Antrag auf wohnumfeldverbessernde Maßnahmen.

Stand Mai 2026 · Quellen: RKI Sturzdaten, Bundesinitiative Sturzprävention, § 40 SGB XI.

Einsatzgebiet: Ambulante Pflege Frankfurt am Main + 15 km · Pflegeberatung bis +75 km