Die MD-Begutachtung (Medizinischer Dienst, früher MDK) entscheidet über Ihren Pflegegrad. 45 bis 90 Minuten, in denen sechs Lebensbereiche geprüft werden. Wer gut vorbereitet ist, vermeidet die häufigsten Fehler und bekommt den Pflegegrad, der ihm zusteht. Hier finden Sie die komplette Checkliste, das Modul-System des Neuen Begutachtungsassessments (NBA) und die wichtigsten Tipps aus der Praxis.

Die 6 Module des NBA

Seit 2017 bewertet der MD die Pflegebedürftigkeit nach dem Neuen Begutachtungsassessment (NBA). Jedes Modul prüft einen Lebensbereich.

ModulInhaltGewichtung
1 MobilitätAufstehen, Treppensteigen, Fortbewegung10 %
2 Kognitive FähigkeitenOrientierung, Gedächtnis, Entscheidungen15 % (höchster Wert aus 2 oder 3)
3 VerhaltensweisenAggression, nächtliche Unruhe, Ängste15 % (höchster Wert aus 2 oder 3)
4 SelbstversorgungKörperpflege, Essen, Anziehen40 %
5 Krankheits-/therapiebedingte AnforderungenMedikamente, Verbände, Arzttermine20 %
6 Gestaltung AlltagslebenTagesablauf, Kontakte, Beschäftigung15 %

Die Module 2 und 3 werden nicht beide gezählt: Es zählt der höhere Wert.

Vor dem Termin: Checkliste

1. Pflegetagebuch führen (1 bis 2 Wochen)

Notieren Sie täglich:

  • Wann Hilfe nötig war (Uhrzeit)
  • Wobei (Körperpflege, Essen, Aufstehen, Medikamente)
  • Wie viel Hilfe (Anleitung, Teilhilfe, vollständige Übernahme)
  • Wie lange (Minuten)

Das Pflegetagebuch ist im Termin Ihr stärkstes Argument. Es belegt den tatsächlichen Hilfebedarf.

2. Unterlagen bereitlegen

  • Aktuelle Diagnosen (Hausarzt-Liste)
  • Arztbriefe und Krankenhausentlassungen der letzten 12 Monate
  • Medikamentenliste
  • Liste der vorhandenen Hilfsmittel (Rollator, Pflegebett, Hörgerät usw.)
  • Schwerbehindertenausweis (falls vorhanden)
  • Bisherige Pflegekasse-Bescheide
  • Versichertenkarte

3. Bezugsperson einplanen

Eine Angehörige oder Bekannte sollte beim Termin dabei sein. Sie kann:

  • Lücken bei der Erinnerung ergänzen
  • Beobachtungen aus dem Alltag schildern
  • Pflegerische Situationen genau beschreiben
  • Bei Demenz das tatsächliche Verhalten erklären

4. Termin in der richtigen Tageszeit

Wenn die pflegebedürftige Person morgens besonders steif oder müde ist, vereinbaren Sie den Termin morgens. Der MD soll den Alltag sehen, nicht den besten Moment.

Während des Termins: Was Sie sagen sollten

Schildern Sie den schlechten Tag, nicht den guten. Wenn an manchen Tagen alles geht und an anderen nichts, beschreiben Sie die schlechten Tage. Das ist der Maßstab.Hilfen aus dem Hintergrund mitzählen. Auch Anleitung, Erinnerung und Beaufsichtigung zählen zur Pflege. Selbst wenn die pflegebedürftige Person noch selbst handelt, ist die ständige Anleitung Hilfebedarf.Konkrete Beispiele nennen. Statt "Sie braucht beim Waschen Hilfe" besser: "Ich muss ihr morgens den Waschlappen reichen und beim Duschen daneben stehen, weil sie sonst stürzt. Es dauert 25 Minuten."Beim MD anwesend bleiben. Lassen Sie den MD nicht mit der pflegebedürftigen Person allein, wenn diese das Ausmaß ihrer Beschwerden selbst nicht erkennen kann (häufig bei Demenz oder Depression).

Typische Fehler, die einen niedrigen Pflegegrad kosten

FehlerFolgeBesser
"Es geht schon irgendwie"Selbstständigkeit wird hoch bewertetKonkret beschreiben, was nicht mehr geht
Demenz herunterspielenModul 2 zu niedrigVerhaltensauffälligkeiten und Vergesslichkeit ungeschönt schildern
Alleine empfangenWichtige Details fehlenAngehörige immer dabei
Keine BelegeAussagen unbelegtArztbriefe und Pflegetagebuch parat
Nur körperliche Pflege erwähnenModule 5 und 6 unterbewertetAuch Termine, Beschäftigung, Tagesablauf erwähnen

Nach dem Termin

Sie erhalten kein Gutachten direkt vom MD. Das Gutachten geht an die Pflegekasse, die innerhalb von 25 Arbeitstagen ab Antragsstellung den Bescheid sendet.

Tipp: Wenn der Bescheid kommt, fordern Sie sofort das Gutachten an (per Brief oder Anruf). Damit können Sie nachvollziehen, wie der MD die Punkte vergeben hat. Bei zu niedrigem Pflegegrad ist das die Grundlage für einen Widerspruch.

Häufige Fragen

Wie lange dauert die Begutachtung? +

In der Regel 45 bis 90 Minuten. Bei komplexen Fällen auch länger.

Findet die Begutachtung wirklich zu Hause statt? +

Ja, in den allermeisten Fällen. Nur in Ausnahmen (z. B. wenn die pflegebedürftige Person im Krankenhaus liegt) findet sie an einem anderen Ort statt.

Was kostet die Begutachtung? +

Nichts. Antrag und Begutachtung sind kostenfrei.

Kann ich den MD-Termin verschieben? +

Ja. Wenn der Termin ungünstig liegt oder eine wichtige Bezugsperson nicht dabei sein kann, rufen Sie beim MD an und vereinbaren Sie einen neuen Termin.

Wer kommt vom MD? +

In der Regel eine Pflegefachkraft oder eine Ärztin. Die Person ist beim MD Hessen angestellt und unabhängig von der Pflegekasse.

Was, wenn ich beim Termin nicht zu Hause bin? +

Der MD versucht es erneut. Mehrfaches Versäumen kann zur Ablehnung des Antrags führen.

Darf ich das Gespräch aufzeichnen? +

Eine heimliche Aufzeichnung ist verboten. Mit Einverständnis des MD-Mitarbeiters dürfen Sie Notizen machen oder mit dessen Zustimmung aufzeichnen.

Wie verbindlich ist die Empfehlung des MD? +

Die Pflegekasse folgt in der Regel der Empfehlung. Sie kann aber theoretisch davon abweichen. Wer mit dem Bescheid nicht einverstanden ist, kann widersprechen.

Sollte ich beim Termin krank wirken? +

Nein, das wäre Täuschung. Aber Sie sollten den tatsächlichen Zustand zeigen, nicht den besseren. Schildern Sie schlechte Tage und konkrete Schwierigkeiten.

Wie führe ich ein Pflegetagebuch richtig? +

Dokumentieren Sie über zwei bis vier Wochen alle pflegerischen Tätigkeiten Tag für Tag: Was wird unterstützt (Anziehen, Waschen, Essen), wie lange dauert es, wie häufig pro Tag, welche Schwierigkeiten treten auf. Notieren Sie auch schlechte Tage und nächtlichen Hilfebedarf. Schreiben Sie nicht zu pauschal, sondern mit konkreten Beispielen. Das Tagebuch übergeben Sie dem MD beim Termin oder schicken es vorab ein.

Bekomme ich das Gutachten nach dem Termin automatisch? +

Nein. Das MD-Gutachten wird zunächst nur an die Pflegekasse geschickt. Sie müssen es separat anfordern, idealerweise gleichzeitig mit dem Bescheid oder kurz danach. Ein formloser Anruf oder ein kurzes Schreiben mit Bezug auf § 25 SGB X reicht. Die Pflegekasse muss das Gutachten innerhalb von zwei bis vier Wochen herausgeben, die Einsicht ist kostenfrei.

Was passiert, wenn der MD nur kurze Zeit bleibt? +

Eine zu kurze Begutachtung von 30 Minuten oder weniger kann ein Grund für einen Widerspruch sein, vor allem wenn Defizite nicht ausreichend erfasst wurden. Die offiziellen Begutachtungsrichtlinien sehen eine gründliche Erhebung aller sechs Module vor. Bestehen Sie auf einer vollständigen Befragung, bringen Sie das Pflegetagebuch aktiv ein und weisen Sie auf konkrete Beispiele aus dem Alltag hin.

Sebat Pflege bereitet Sie auf den MD-Termin vor

Wir kennen die Begutachtungspraxis des MD Hessen aus jahrelanger Erfahrung. Wir helfen Ihnen, ein realistisches Pflegetagebuch zu führen, die Unterlagen zusammenzustellen und im Termin die richtigen Schwerpunkte zu setzen.

Stand Mai 2026 · Rechtsgrundlage § 18 SGB XI (Begutachtung), Begutachtungsrichtlinien des GKV-Spitzenverbands.

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